h1

Zu wenig Wohnungen für Arbeitslose? – GALIDA legt Untersuchung vor

23. Mai 2011

Darmstädter Echo, 23.05.2011:

Zu wenig Wohnungen für Arbeitslose?

Soziales: Galida und Verdi-Initiative legen gemeinsame Untersuchung vor – Landkreis weist Vorwürfe zurück

DARMSTADT-DIEBURG.

Für Menschen ohne Arbeit hat der Wohnungsmarkt im Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht viel zu bieten. Das hat eine Untersuchung der Gewerkschaftlichen
Arbeitsloseninitiative Darmstadt (Galida) und des Verdi-Erwerbslosenausschusses
ergeben.

Vom 9. November 2010 bis 15. Januar 2011 haben Thomas Rindt (Galida)
und Frank Gerfelder-Jung (Verdi) Immobilienanzeigen in Zeitungen und Internetportalen unter die Lupe genommen. Sie stellten fest, dass nur jede
zweite Single-Wohnung den für Erwerbslose geltenden Anforderungen an Größe und Mietpreis entspricht. Von den angebotenen Wohnungen für zwei Personen ist laut Erhebung nur jede dritte geeignet. „Vor allem Menschen, die neu ins
Arbeitslosengeld zwei rutschen haben Probleme, innerhalb weniger Monate eine
neue Wohnung zu finden“, sagte Gerfelder-Jung. Es gebe insgesamt zu wenig
Unterkünfte im Kreis, und die Wohnungen, die es gebe, entsprächen mit oft
weniger als 20 Quadratmeter nicht den Ansprüchen an ein menschenwürdiges Leben.
Die zulässige Größe beträgt für Singles höchstens 45 Quadratmeter, für Paare 60
Quadratmeter. Die Gemeinden übernehmen die Miete bis zu einer bestimmten
Höchstgrenze, die in jedem Ort unterschiedlich hoch ist.

Seit 1. Februar 2011 gelten im Kreis neue Obergrenzen (wir berichteten),
wodurch sich die Kommunen Einsparungen in Millionenhöhe erhoffen. Hierfür sind die Grenzen in einigen Gemeinden herabgesetzt und die Richtlinien für die
Kosten der Unterkunft entsprechend geändert worden. Grundlage ist eine
Untersuchung des Kreises, bei der über einen Zeitraum von zwei Jahren 38 000
Datensätze ausgewertet wurden. Doch dabei handele es sich wohl hauptsächlich um bestehende Mietverhältnisse, wo die Mieten allgemein niedriger seien, vermuten die Gewerkschafter. „Wie unsere Erhebung zeigt, geht die Studie des Kreises an der Praxis vorbei“, sagte Rindt.

Dem widerspricht die Landkreisverwaltung: Wie Pressesprecher Frank Horneff
erklärte, stützt sich deren Studie auf die Kaltmieten, die bei der Beantragung
tatsächlich vorliegen. Der weitaus größere Teil der Daten stamme aber – wie bei
Galida und Verdi – aus einer Wohnungsmarktbeobachtung, bei der Internetangebote und Zeitungsanzeigen berücksichtigt wurden. Laut Rechtsvorschrift müsse der Kreis für die Richtlinien zur Unterkunft lediglich die „Verhältnisse des einfachen Standards“ berücksichtigen.

Da die oft hochpreisigen Angebote aus den Medien in der Studie ein deutliches
Übergewicht hätten, gebe es aus Sicht des Kreises keinen Zweifel an der
Repräsentativität. Außerdem weist Horneff darauf hin, dass es sich bei der
Richtlinie um eine Orientierungshilfe handelt – nicht um ein Gesetz. „Die
Entscheidungen werden immer im Einzelfall getroffen“, betont der
Pressesprecher.

Angesichts der Tatsache, dass die Stadt Darmstadt erheblich höhere
Unterkunftskosten als die Landkreiskommunen anerkennt, äußern die Initiativen
den Verdacht, der Kreis wolle Erwerbslose zum Umzug nach Darmstadt bewegen.
„Dieser Vorwurf ist haltlos und unsinnig“, entgegnete Horneff. Wie die
Statistik der Kreisverwaltung belege, seien zwischen April 2010 und 2011 zwar
373 Fälle aus dem Landkreis weggezogen, im gleichen Zeitraum aber 391 Neufälle
zugezogen.

Der Artikel auf der Seite des Darmstädter Echo:

http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/kreis/Zu-wenig-Wohnungen-fuer-Arbeitslose-;art1303,1867556

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: