h1

Kritik am Kulturpass – Aktionstag des Vereins dabeisein e.V.

21. Mai 2012

In Armut gerät man nicht aus persönlicher Verantwortung, sondern in aller Regel aufgrund von gesamtwirtschaftlichen Strukturen (siehe Schlecker, Neckermann etc.), Krankheit oder anderen persönlichen Schicksalsschlägen.

Obwohl diese Fakten nahezu unbestritten sind, setzen einige Organisationen, die sich der Unterstützung von wirtschaftlich armen Menschen auf die eigenen Fahnen geschrieben haben, auf Gesten der Demut der Betroffenen, wenn sie diesen helfen.

Nichts gegen ein freiwilliges Dankeschön. Wenn der Dank der Betroffenen in der helfenden Organisation aber strukturell angelegt ist und damit auch noch Politik gemacht wird, ist das mehr als zweifelhaft.

Ein solch zweifelhaftes Konzept betreibt der Verein dabeisein e.V. mit seinem Kulturpass-Projekt in Darmstadt. Die Nutzer des Pass sind darauf angewiesen, dass Institutionen ihnen freie Plätze zur Verfügung stellen. Wenn das dann mal passiert, dann muss der Betroffene damit rechnen dazu genötigt zu werden, via Foto auf der Homepage des Vereins zu verkünden, wie toll die Veranstaltung und das edle Sponsoring der Eintrittskarten waren. Zum Beispiel die Nightwash-Veranstaltung im Jagdhofkeller (http://www.dabeisein.org/wai1/showcontent.asp?ThemaID=59).

Das macht mich sprachlos.

Mit diesen Charity-Events, der vor allem das Scheinwerferlicht auf die Spender wirft, betreibt dabeisein e.V. einen sozialpolitischen Suppenküchen-Ansatz der 50er Jahre. Nicht mehr, nicht weniger.

Anders hingegen das Konzept von Stadt Darmstadt und dem Bündnis für soziale Gerechtigkeit, in dem neben Wohlfahrtsverbänden, auch Gewerkschaften und Kirchen vertreten sind. Hier sollen bestehende staatliche Leistungen mit kulturellen Leistungen auf einer Karte verbunden werden. Organisatorisch verantwortlich ist die Stadt, was eine demokratische Kontrolle durch das Stadtparlament garantiert und die Einhaltung des sensiblen Sozialdatenschutzes.

Die mit dem Sozialpass gewährten Rabatte gelten für die Betroffenen nahezu immer und nicht dann, wenn gerade ein Platz frei ist. Durch den engagierten Vorstoß des Staatstheaters wird dort beispielsweise eine Ermäßigung von 50% auf Karten aller Kategorien gewährt, so dass man schon für 3-4 Euro jederzeit eine Vorstellung besuchen kann. Das ist dann ein Recht, für das man nicht in Demut erstarren muss, sondern es als mündiger Bürger nutzen kann.

Der Verein dabeisein e.V. sollte überdenken, was er da eigentlich gerade fabriziert. Die Stadt macht mit ihrem Sozialpass-Modell hingegen vor, was emanzipatorische Sozialpolitik heute ausmacht.

Helmut Angelbeck

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: