h1

… Verstehen, Vertrauen und Verarschen?

13. September 2012
Darmstädter Echo, 13. September 2012

Zuhören, reden und schlichten

Soziales – Die Suche nach den neuen Ombudsmännern des Kreises war schwierig. Ernennungsurkunden übergeben

DARMSTADT-DIEBURG. Sie kennen sich im Sozialgesetz nicht aus, bringen aber soziale Kompetenzen mit: Friedel Röder und Gerhard Dahms sind die neuen ehrenamtlichen Ombudsmänner des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Friedel Röder lässt auf sich zukommen, was ihn in seiner ersten Sprechstunde am Mittwoch (26.09.) von 15 bis 17 Uhr erwartet. Erst einmal will er zuhören und sich im Anschluss beim zuständigen Sachbearbeiter schlau machen. Ganz unvorbereitet ist er indes nicht. Um zu sehen, wie Hartz-IV-Beratungen ablaufen, hat er schon bei der Kreisagentur für Beschäftigung (KfB) hospitiert.
Friedel Röder, Jahrgang 1955, ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Groß-Zimmern. Er arbeitet seit mehr als 40 Jahren bei der Sparkasse Darmstadt und ist dort seit 2008 freigestellter Personalratsvorsitzender. Als solcher sei es seine „Hauptaufgabe, zu schlichten und Menschen zusammenzubringen“. Das Sozialgesetzbuch (SGB) II, das die Grundsicherung für Arbeitssuchende regelt, sei für ihn „vollkommenes Neuland“, sagt Röder. Er gehe unbefangen heran.
Der Münsterer Gerhard Dahms, Jahrgang 1951, verheiratet, ein Kind, wird Röder vertreten. Er hat Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften studiert, arbeitet als selbstständiger Berater, hat eine Weinhandlung und ist seit Jahrzehnten gewerkschaftlich und für die SPD kommunalpolitisch aktiv. „Ich habe kein Interesse, SGB-II-Fachmann zu werden“, sagt Dahms. „Es geht darum, Verständnis und Verstehen herzustellen.“
Der Kreistag hat am 10. September 2010 beschlossen, eine Ombudsstelle einzurichten. Die Stelle ist ehrenamtlich, auf zwei Jahre befristet, dem Bürgerbüro angeschlossen und hat zum Ziel, zwischen Hartz-IV-Beziehern und der Verwaltung zu schlichten. Nach längerer Suche hatte die Kreisverwaltung drei Bewerbungen vorliegen. Am 25. Juni hat der Kreistag beschlossen, die Stelle mit Röder und Dahms zu besetzen. Gestern überreichte die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück (SPD) die Ernennungsurkunden.
Die Gewerkschaftliche Arbeitsloseninitiative Darmstadt (GALIDA) kritisierte die Stelle und ihre Besetzung als „Alibi-Veranstaltung“, insbesondere, weil den Ombudsmännern Kenntnisse im SGB II fehlten, wie Sprecher Frank Gerfelder-Jung sagte (wir haben berichtet).
“Primär geht es darum, den gesunden Menschenverstand einzusetzen und zu vermitteln“, sagt KfB-Leiter Roman Gebhardt, und zwar von jemandem, der von extern komme und nicht Teil der Organisation sei. „Es ist für uns kein Alibi, es ist ein neues Zugehen auf die Menschen“, sagt Lück. „Spezialisten des SGB II fallen nicht vom Himmel.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: