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Viele Ermäßigungen in Darmstadt mit der Teilhabecard – Ab 2015 sollen einkommensschwache Senioren und kinderreiche Familien von der Teilhabecard profitieren

21. November 2014

Darmstädter Echo, von Wolfgang Görg

Fast 16.000 Darmstädter sind auf Sozialleistungen angewiesen. Geld für Theater, Museum, oder Schwimmbad haben sie kaum. Mit der Teilhabecard will die Stadt einkommensschwachen Bürgern den Zugang zu Kultureinrichtungen verschaffen. Ab nächsten Januar soll ein größerer Personenkreis von einem neu strukturierten Angebot profitieren.

Waldemar Sarezki geht gerne ins Theater und ins Landesmuseum. Doch bleibt ihm vom Arbeitslosengeld II zu wenig übrig, um sich solche Besuche regelmäßig leisten zu können. Hin und wieder schafft er es dennoch. „Mit der Teilhabecard ist das möglich“, sagt der Zweiundsechzigjährige. Auf die Karte der Stadt gibt es Rabatt bei Eintritten. Eine Theaterkarte kostet beispielsweise noch 4,25 Euro. Einkommensschwachen Bürgern, die Grundsicherung oder Hartz IV erhalten, soll damit die Teilnahme an Kulturleben ermöglicht werden. Ab nächstem Jahr soll ein größerer Personenkreis davon profitieren.

Seniorencard hat ausgedient

Einkommensschwache ältere Menschen und kinderreiche Familien können künftig die Vorteile der weißen Chipkarte nutzen. Diese Personenkreise erhalten zwar schon jetzt Rabatte, beispielsweise mit der Seniorencard. Aber das sind eher abgespeckte Varianten der Teilhabecard. So gibt es für große Familien Ermäßigungen oder freien Eintritt in Hallen- und Freibädern, Theatern sowie im Vivarium, für Senioren zudem noch auf der Mathildenhöhe, im Schlossmuseum, in der Stadtbibliothek und Volkshochschule. Künftig wird die Seniorencard durch die Teilhabecard ersetzt, die in 24 Einrichtungen zu einem ermäßigten oder freien Eintritt berechtigt.

„Wir wollen die Systeme übersichtlicher gestalten“, begründet Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) den Schritt. Die Neuregelung weist Verbesserungen auf, aber auch Einschränkungen.

So gibt es in Bädern und im Vivarium unbegrenzt kostenfreie Eintritte. Doch bei Theaterbesuchen ist das Angebot für Senioren und Kinderreiche reduziert worden. Derzeit erhalten finanzschwache ältere Bürger drei Gutscheine im Jahr für freie Eintritte im Staatstheater und im Halbneun-Theater. Für Kinderreiche gibt es für ein Kind mit Begleitperson pro Quartal einen Gutschein für Staatstheater, Kikeriki- und Hoffart-Theater, Mollerhaus und Nachbarschaftsheim. Künftig ist nur das Staatstheater im Angebot, mit ermäßigtem, aber nicht freiem Eintritt. Die anderen Theater sind nicht mehr aufgelistet.

„Dafür bekommen mehr Personenkreise das gesamte Angebot“, sagt Sozialdezernentin Akdeniz und sieht dadurch den Nachteil zumindest ausgeglichen. Durch die Einbeziehung von Senioren und Kinderreichen sind tatsächlich mehr Personenkreise in das System einbezogen. Doch sind künftig weniger von ihnen berechtigt, eine Karte zu erhalten. Der Grund: Die Einkommensgrenzen sind heruntergesetzt worden, bei älteren Einzelpersonen auf ein Einkommen von etwa 1173 Euro netto (zuvor 1244 Euro). Das gilt aber nur für neue Anträge.

Größer ist der Unterschied bei Kinderreichen. Erhielt eine fünfköpfige Beispielfamilie bislang bei einem Einkommen von 5828 Euro noch Ermäßigungen, liegt die Grenze ab 2015 bei 4371 Euro. Aus der Sicht von Dezernentin Akdeniz ist dieser Schritt unter sozialen Gesichtspunkten vertretbar.

Wie viele Darmstädter von der Karte Gebrauch machen werden, vermag man im Sozialdezernat nicht abzuschätzen. Rund 16.000 Menschen leben in Darmstadt von Sozialleistungen. Unter dem derzeit geltenden Modus wurden rund 3200 Karten ausgegeben. Hinzu kommen mehr als 850 Bürger, die eine Seniorencard haben oder als kinderreiche Familien ihr Anrecht auf Ermäßigungen nutzen. Für nächstes Jahr hat die grün-schwarze Koalition 67.500 Euro eingeplant.

Waldemar Sarezki ist im Grunde mit der Teilhabecard zufrieden. Einen Verbesserungsvorschlag hat er jedoch. „Die Stadt könnte die Ermäßigung von ÖPNV-Tickets wieder einführen“, sagt er. Aus Kostengründen war dies für Langzeitarbeitslose gestrichen worden. Menschen, die von der Grundsicherung leben müssen, bekommen den Abschlag aber noch. „Entweder alle oder keiner“, sagt Sarezki.

Forderung: Abschlag bei ÖPNV-Tickets

Auch die gewerkschaftliche Arbeitsloseninitiative GALIDA fordert dies bei der Umstrukturierung der Teilhabecard. „Das ist schon ein Thema“, sagt Frank Gerfelder-Jung. Er verweist auf die Zusage der Sozialdezernentin, sich beim Land Hessen und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund um finanzielle Unterstützung zu bemühen. Entsprechende Anfragen gab es, sagt Barbara Akdeniz. „Es gibt aber noch keine Antworten.“

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